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Als 1989 die Berliner Mauer unter den Rufen „Tor auf!“ stürzte, schlug sie nicht nur auf dem Boden der sich neu erweiternden Bundesrepublik Deutschland auf. Sie zerbrach zudem in tausende Teile, von denen über hundert, aufrecht stehend fremde Länder in der ganzen Welt erreichten. Die Überreste der früheren Berliner Mauer bleiben in Bewegung, ähnlich wie die Grenze, die sie einst symbolisierte – die Grenze der EU – welche seitdem in alle Richtungen expandierte und nun gegen die Körper der Flüchtlinge presst, die versuchen Europa zu erreichen, und sie unter Wasser zwingt.

Die heutige Berliner Mauer ist nicht aus Beton; sie besteht aus Stahl und Information. Man findet sie in politischen Vereinbarungen und ökonomischen Allianzen zwischen Staaten und der Industrie. Man findet sie in „Extrastatecraft“, außerstaatlichen Infrastrukturräumen, wo Verkörperungen europäischer Macht wie FRONTEX die Mauer durch das aktive Durchsetzen der EU-Gesetzgebung materialisieren. Die Berliner Mauer der Vergangenheit, ein Instrument totalitärer Macht, ist ironischerweise zum Symbol der Freiheit geworden. Was vergessen wurde – oder übersehen – ist jedoch, dass die Berliner Mauer nicht zerstört wurde: Sie wurde überflüssig gemacht. Ihre Überflüssigkeit muss anerkannt werden, nicht historisiert.

Die Gedenkstätte Berliner Zaun stellt die neueste Grenzsicherheitstechnologie der EU innerhalb des ehemaligen Todesstreifens der Bernauer Straße in Berlin nach. Als Plattform für Lesungen, Diskussionen, Konzerte und Ausstellungen wird die Gedenkstätte zu einem Ort für individuelle Trauer, kollektives Gedenken, historische Vermittlung und Reflexion, für all jene, die von der aktuellen Grenzkontrollpolitik in Europa und weltweit betroffen sind.